Arbeiten 4.0 – UdL digital Talk mit Bundesarbeitsministerin Nahles

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Berlin/11.09.15: Die alten Regeln gelten in einer digitalisierten Arbeitswelt nicht mehr, darin waren sich beim UdL Digital Talk im Berliner BASE_camp von Telefónica Deutschland alle einig. „Arbeiten 4.0 – wie fit ist Deutschland für die digitale Zukunft?“ fragte am Donnerstagabend Moderator Cherno Jobatey Bundesministerin Andrea Nahles sowie i-Potentials Gründerin und Geschäftsführerin, Constanze Buchheim. „Vieles was 3.0 noch gut funktioniert hat, muss nun überdacht werden“, war die Antwort der für Arbeit und Soziales zuständigen Ministerin: „Wir brauchen einen neuen Flexibilitätskompromiss, der mit alten Regeln aufräumt“. Mit der Suche nach Kompromissen will sich die auf „Digital Executives“ spezialisierte Personalberaterin Buchheim dagegen nicht aufhalten. Gleich zu Anfang stellte die Unternehmerin klar, dass die Generation Y in dieser neuen Arbeitswelt, in der sich digitale Spezialisten ihre Arbeitgeber aussuchen können, die Regeln selbst bestimmt. Kündigungsschutz und Arbeitszeitregelungen würden damit irrelevant.

„Arbeiten 4.0“ für viele nur Schlagwort

Dass nicht alle von der Flexibilisierung der Arbeit durch Digitalisierung profitieren, machte die ehemalige SPD-Generalsekretärin am Beispiel der Schichtarbeit deutlich. Zwar gebe es Unternehmen, in denen Schichtpläne nicht mehr vorgegeben, sondern von den Mitarbeitern per Schicht-doodle selbst erstellt werden, doch für viele sei die „Arbeit 4.0“ bisher nur ein Schlagwort. Mit dem von ihr angestoßenen Grünbuchprozess „Arbeiten 4.0“ will Nahles deshalb die Menschen zum Dialog über die Konsequenzen einladen, die sich aus Transformation der Arbeitswelt ergeben.

Soziale Verantwortung von Online-Plattformen

Gesprächsbedarf sieht sie auch, wenn es um den Umgang mit Plattformen wie uber und helpling geht, die auf Crowdworker setzten, um Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Von ihrem USA-Besuch im August 2015 brachte Nahles die Erkenntnis mit, dass in den USA angesichts von wachsenden Sozialproblemen und schrumpfenden staatlichen Einnahmen die gleiche Debatte über die soziale Verantwortung von IT-Unternehmen geführt wird wie in Deutschland. Um gemeinsam Antworten zu finden, hat sich deshalb eine feste Arbeitsgruppe mit deutsch-amerikanischer Besetzung etabliert.

Die Betriebswirtin Buchheim will nicht pauschal ein negatives Urteil fällen. Sie hält der Bundesministerin entgegen, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht das Symptom einer neuen Plattform-Ökonomie seien, sondern eher die Nachwehen der ich-AGs sind. Schon damals sei die Arbeitslosigkeit durch Selbständigkeit ersetzt worden. Wenn man den Plattformen noch etwas Zeit einräume, dann werden auch sie bereit sein, die soziale Verantwortung zu schultern, ist die i-Potentials-Geschäftsführerin denn auch überzeugt, prognostiziert gleichzeitig aber auch steigende Preise.

Gewerkschaften öffnen sich für Digitalwirtschaft

Die bekennende Zalando-Kundin Nahles hat da allerdings so ihre Zweifel. Zur Absicherung der Crowdworker denkt das Arbeitsministerium deshalb über ein Angebot zur Alterssicherung nach dem Vorbild der Künstlersozialkasse nach. Mehr Sicherheit für die Arbeitsnehmer in einer digitalisierten Arbeitswelt verspricht sich die SPD-Ministerin auch davon, dass die Gewerkschaften sich für das Thema „Arbeit 4.0“ öffnen. In der Digitalwirtschaft kommen zwar immer noch viele nicht auf die Idee, sich vertreten zu lassen, räumt Nahles ein, doch es gebe viele interessante Gedanken bei den Gewerkschaften. Das Urteil der Praktikerin Buchheim fällt dagegen weniger optimistisch aus. „Die Gewerkschaften stecken im Klassenkampf fest“, urteilt sie mit Verweis auf eigene Erfahrungen in einem Startup.

„Gespenstischer“ Besuch bei Google

In der abschießend Fragerunde, die mit Fragen von Huffington Post Lesern begann und mit Publikumsfragen endete, zeigte sich noch einmal die breite Themen-Palette, die mit Arbeiten 4.0 verbunden ist wie Mindestlöhne, Standortvorteile und die Handlungsfähigkeit von Politik angesichts von global aufgestellten Monopolen. Beim Thema Monopolist fiel Andrea Nahles am Ende noch ihr „gespenstischer“ Besuch bei Google in Palo Alto ein. Sie assoziierte mit dem Gespräch die Borg aus Star Trek: „Sie werden von uns assimiliert. Widerstand ist zwecklos!“ und beklagte die Neigung Googles, mehr zu senden und wenig zuzuhören.

http://www.udldigital.de/…

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