Dr. Jürgen Müller (SAP): Das richtige Umfeld für Innovationen schaffen

JuergenMueller-1206SAP – Weltmarktführer für Unternehmenssoftware und Europas größtes IT-Unternehmen – blickt bereits auf über 40 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Viele motivierte Mitarbeitende aus der ganzen Welt entwickeln permanent das Produktportfolio weiter und passen es mit Leidenschaft den sich rapide ändernden Markt- und Kundenanforderungen an. Sie stellen damit täglich die Wettbewerbsfähigkeit von SAP-Produkten sicher.

Doch was ist entscheidend, damit Unternehmen nachhaltig im Markt bestehen können und gleichzeitig eine hohe Innovationsfähigkeit behalten? Der Harvard Business School Professor Clayton Christensen beschreibt in seinem Buch „Innovator’s Dilemma“ das Konfliktpotenzial solcher Situationen. Soll ein Unternehmen eher in die Weiterentwicklung bewährter und erfolgreicher Produkte investieren, damit aber möglicherweise den Anschluss an die Zukunft verpassen? Oder sind nicht eher Investitionen in sogenannte disruptive Innovationen und Ideen sinnvoller, die langfristig gesehen zwar das Potenzial haben, neue Märkte zu erschließen, jedoch unmittelbar nicht mit dem operativen Tagesgeschäft vereinbar sind und tendenziell der jahrelangen traditionellen Betriebserfahrung zuwiderlaufen?

Zur Lösung dieses Konflikts schlägt Christensen vor, zunächst beide Investitionen unabhängig voneinander zu betrachten, sprich ihre kurz- und langfristigen Auswirkungen zu beobachten. Beide Formen von Investitionen sind zweifellos sinnvoll. Investitionen in disruptive Innovationen erfordern laut Christensen jedoch vom operativen Tagesgeschäft abgekoppelte – nicht jedoch abgekapselte – Nischen, in denen sie gedeihen können, deren erforderliche Ressourcen das Unternehmen aber nicht substanziell gefährden.

SAP hat mit dem Konzept des ‚Innovation Center’ genau diesen zusätzlichen Entfaltungsspielraum für zukünftige Lösungen geschaffen. In einem dynamischen Startup-Umfeld und interdisziplinär aufgestellten Teams aus Entwicklern, Designern, Produktexperten und Business Developern werden diese selbst zu Entrepreneuren, die ihre Projekte selbständig von der Idee bis zur Markteinführung vorantreiben. Gerade dort, wo der dynamische IT-Markt hart umkämpft ist, pflegt das Innovation Center abgesteckte Erprobungsfelder und bietet unkonventionellen Ideen im betriebsinternen Ökosystem einen sicheren Rückzugsort. Hier entsteht somit ein Umfeld, in dem sich das für die Unternehmensentwicklung so wichtige Versuch-und-Irrtum-Prinzip ausleben und die Überlebenschancen revolutionärer Herangehensweisen erhöhen lässt.

Doch warum fiel die Standortentscheidung für das SAP Innovation Center auf Potsdam? Nun, IT-Innovationen und ein gut ausgebildeter akademischer Nachwuchs hängen eng zusammen. Potsdam besitzt die größte Wissenschaftsdichte Deutschlands und bringt mit mehr als 750 IKT-Unternehmen bestes Entwicklungspotenzial ein. Die Entscheidung, das weltweit erste SAP Innovation Center in der Hauptstadtregion zu etablieren, lag daher nahe. Berlin, als internationale und kulturell vielfältige Metropole, zieht zudem vor allem junge, talentierte Menschen an.

Das SAP Innovation Center – Vielfalt in Innovationen

Ein Schwerpunkt am Potsdamer SAP Innovation Center liegt derzeit auf der personalisierten Medizin, ein Trend im Gesundheitswesen, der enormes Veränderungspotenzial birgt. Neue Diagnosemöglichkeiten und Methoden wie die Genom-Sequenzierung oder neue bildgebende Verfahren produzieren komplexe und sehr umfangreiche Datenbestände, die zudem häufig in heterogenen IT-Landschaften gespeichert sind. Forscher benötigen diese Daten als Basis für neue Hypothesen und deren Überprüfung. Gleichzeitig muss aber auch ein effizienter Transfer neuer Forschungsergebnisse in bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten sichergestellt sein, denn hier geht es um die Rettung von Leben. An dieser Schnittstelle zwischen Forschung und Behandlung kommen Lösung wie SAP Medical Research Insights ins Spiel, die in Zusammenarbeit mit dem deutschen Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und dem Design & Co–Innovation Center sowie weiteren Teams von SAP entstanden ist. Sie ermöglicht es Ärzten und Forschern, klinische Daten sicher zu analysieren, die Krebsforschung damit voranzubringen und letztendlich präzisere klinische Studien für möglichst viele Patienten zu finden – mit dem Ziel, die Genauigkeit von Krebsdiagnosen und die Behandlungsergebnisse für Patienten zu verbessern.

ProteomicsDB ist ein weiteres unserer Projekte im Bereich Healthcare. Die auf SAP HANA basierende Plattform – in Kooperation mit der TU München entwickelt – hat die Entschlüsselung des menschlichen Proteoms zum Ziel, also der Gesamtheit aller Proteine im menschlichen Körper. Das Prinzip: Kranke unterscheiden sich von gesunden Zellen anhand ihrer Proteine. Mit Hilfe von Software versuchen wir Proteine, die auf Krebs, Demenz, Diabetes oder andere Krankheiten hinweisen, zu erkennen und Verbindungen zwischen diesen Proteinmustern und den Krankheiten herzustellen. Dieses Wissen ermöglicht es Forschern, Krankheiten besser zu verstehen und in Folge neue Therapien und bessere Diagnoseverfahren zu entwickeln.

Ein weiterer Themenschwerpunkt sind sogenannte Smart Cities. Die weltweit zunehmende Urbanisierung stellt Städte vor große Verkehrsherausforderungen. Hier kooperieren wir beispielsweise mit lokalen Verkehrsbehörden im chinesischen Nanjing, um dort ein innovatives und integriertes Verkehrsleitsystem zu erproben. Aus den erhobenen Daten lassen sich in Echtzeit Optimierungsvorschläge erstellen und beispielsweise Staus vorbeugen.

Zudem entwickeln Mitarbeiter am Innovation Center in Potsdam innovative Software-Lösungen rund um SAPs Kernprodukt für Finanzmanagement, SAP Simple Finance. Eine dieser neuen Lösungen, Boardroom Redefined, ermöglicht es Vorstandmitgliedern beispielsweise auf Echtzeit-Kennzahlen aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen wie Finanzen, Personalwesen oder Marketing zuzugreifen. Auf verschiedenen Geräten – von drei 75-Zoll-Touchscreens bis hin zum iPad – können sie Trends nachverfolgen und die zugrunde liegenden Daten in beliebiger Flexibilität analysieren, anstatt auf veraltete und verdichtete Zahlen aus herkömmlichen Berichtsunterlagen zurückgreifen zu müssen.

Zusätzlich zur engen Zusammenarbeit mit Co-Innovationspartnern setzen wir auch aktiv auf die Kooperation mit Forschungsinstituten wie dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und auf offene Innovation mit Startups. Der intensive Austausch ist für beide Seiten ein Gewinn. Während Startups vor allem den Zugang zu Fachexpertise und SAP-Technologieplattformen wie SAP HANA schätzen, profitieren wir durch den direkten Kontakt zu innovativen Firmen und ihren Gründern.

Das Konzept des Innovation Center – gestartet als Pilotprojekt in Potsdam – hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Inzwischen ist daraus ein globales Innovation Center Netzwerk entstanden. An den Hauptstandorten in Palo Alto, Potsdam, Walldorf und Singapur verfolgen Mitarbeitende gemeinsam das Ziel, unkonventionelle Ideen zu erforschen, zu entwickeln und schließlich in innovative kundenorientierte Anwendungen umzusetzen. Alles mit dem Ziel, neue Märkte mit Zukunftspotenzial zu erschließen, eine Vordenkerrolle einzunehmen und somit die Wettbewerbsfähigkeit von SAP auszubauen.

Für weitere Informationen: http://icn.sap.com

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