Digitales Deutschland: Berlin auf dem Weg zur digitalen Hauptstadt Europas?

Berlin/26.10.15: Die Berliner Microsoft-Repräsentanz Unter den Linden platzte am vergangenen Montag buchstäblich aus allen Nähten. Bis auf die Straße standen die Menschen Schlange, um beim Gespräch zwischen Berlins Regierendem Bürgermeister, Michael Müller, und dem ehemaligen Cicero- und Focus-Chefredakteur Dr. Wolfram Weimer live dabei zu sein. Das enorme Interesse zeigt einmal mehr, wie sehr sich die Menschen eine aktive Unterstützung der Start-Up-Branche in der deutschen Hauptstadt wünschen.

Müller nannte drei Punkte, die zum Erhalt und Ausbau Berlins auf dem Weg zur digitalen Hauptstadt Europas von Bedeutung seien. Erstens müssten die Ansiedlungsorte für Start-Ups als Ressource für die Wirtschaft erhalten bleiben. Dabei stehe Berlin durch die stetig wachsende Einwohnerzahl im ständigen Konflikt hinsichtlich der Nutzung freier Flächen: Sollen diese der Bebauung dienen? Sollen sie für die Freizeitgestaltung und Erholung genutzt werden? Sollen sie Gründern und Kreativen zur Verfügung gestellt werden? Zweitens sei die vertiefte Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zentral und drittens müssten die nötigen Finanzierungsmittel bereitgestellt werden.

Auf die kritische Frage Weimers, warum Berlin es bis heute nicht geschafft habe, die großen Dax-Unternehmen anzulocken, entgegnete Müller: „Berlin muss auf seine Gründer- und Vernetzungsstrukturen setzen. In den neunziger Jahren haben wir den Fehler gemacht, in alle Bereiche gleichzeitig zu investieren. Heute konzentrieren wir uns auf unsere Stärken.“ Zudem gehe er davon aus, dass die großen Unternehmen in der Zukunft an Bedeutung verlieren werden. Viel wichtiger sei, dass Konzerne wie Otto Bock, CISCO oder die Telekom ihre Innovationslabs nach Berlin bringen.

Und wie sieht es mit konkreten Maßnahmen aus? Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung Berlins wurde die Entscheidung getroffen, 100 zusätzliche IT-Professuren zu schaffen. Dieses Zielvorhaben werde nun, so Müller, in einem Arbeitskreis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung ausgearbeitet. Ein weiterer Beweis, dass es mit der Entwicklung der Berliner IT- und Start-Up-Branche vorangehe, sei, dass er fast täglich zu Eröffnungen von Innovationszentren eingeladen sei und Berlin immerhin zwischen 2011 und 2015 mehr Venture Capital als London angelockt habe. Unternehmen, die zunächst klein anfangen, hätten hier die Chance, sich zu den ganz Großen weiterzuentwickeln. So sei Zalando mittlerweile ein Technologieunternehmen mit mehr als 4000 Mitarbeitern in unserer Stadt.

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