Prof. Rainer Zeichhardt (Business School Berlin): Innovationsmanagement

Rainer_ZeichhardtSchöpferische Zerstörung für gesellschaftlichen Fortschritt

Das Thema Innovation ist „in“ – ganz besonders in Berlin, wo sich seit einiger Zeit nicht nur eine sehr lebendige und internationale Startup-Szene etabliert hat, sondern sich vermehrt auch Großkonzerne von dem Klima des Entrepreneurships inspirieren lassen, um mit Mitarbeitern als Intra-preneure ihre Wettbewerbsfähigkeit in dynamischen Märkten zu sichern.

Alles kreist dabei um die zentrale Frage, auf die die Disziplin des Innovationsmanagements seit jeher in Forschung und Praxis Antworten zu finden versucht: Wie lassen sich Innovationen gezielt generieren?

Auch wenn in aktuellen Debatten der Innovationsbegriff oft inflationär als Chiffre für alles verwendet wird, was irgendwie mit „Erneuerung“ zusammenhängt, zeigt sich bei einem genaueren Blick, dass es sich um ein sehr viel komplexeres Phänomen handelt: Innovation ist nicht gleich Innovation! Innovationen können sich auf technische Entwicklungen beziehen, aber auch auf Systemstrukturen, es gibt Produkt- und Prozessinnovationen, Innovationen können disruptiv und sehr öffentlichkeitswirksam mit neuen Geschäftsmodellen in kürzester Zeit ganze Branchen umkrempeln aber ebenso sukzessiv im Hintergrund zu „kleinen“ Veränderungen führen.

Der Begriff Innovationsmanagement impliziert dabei die Annahme, dass Innovationen gezielt gemanagt – also u.a. geplant, gesteuert und kontrolliert – werden können. Und so verwundert es nicht, dass in der Praxis selbst immer wieder „innovative“ Konzepte entwickelt werden, die darauf abzielen, systematisch Innovationen zu generieren. Das zeigen derzeit die verschiedenen Acceleratoren, Incubatoren, Hubs und Think Tanks, in denen – insbesondere im Kontext digitaler Transformation – viele findige Menschen zusammenarbeiten, um „the next big thing“ zu entwickeln.

Innovationen sind aber nicht immer planbar und Ergebnis systematischer Problemlösungsverfahren, sondern Innovationen entstehen oftmals auch durch ungeplante spontane Kombinationen, was viele Erfolgsgeschichten in der Praxis eindrucksvoll verdeutlichen. 3M wollte beispielsweise nie explizit Post-Its erfinden, diese Produktneuheit entstand vielmehr zufällig durch eine neue Verwendbarkeit eines Haftmittels, für das es erst gar keinen Anwendungsbereich gab.

Schon Schumpeter hat vor über 70 Jahren darauf hingewiesen, dass Innovationsmanagement nicht nur anspruchsvoll, sondern mitunter sogar paradox ist. So bedarf die Aufrechterhaltung von Wettbewerbsfähigkeit einer ständigen Erneuerung. Demnach stellen Innovationen keine Ausnahmeerscheinung dar, die nach Belieben und quasi „auf Bestellung“ temporär angegangen werden können. Wandel durch Innovationen beschreibt vielmehr einen Dauerzustand und impliziert eine Grundhaltung und Offenheit gegenüber kontinuierlichen Entwicklungspotentialen.

Schumpeter war es auch, der in diesem Zusammenhang auf die scheinbare Paradoxie „schöpferischer Zerstörung“ aufmerksam gemacht hat. Das Schöpferische an einer Innovation erfolgt durch das Vereinen von Elementen zu etwas Neuem. Im Sinne Koestlers werden „göttliche Funken“ durch „bisoziatives“ Querdenken freigesetzt.

Gleichzeitig basieren Innovationen aber immer auch auf Destruktion von bewährten Mustern. Um Neues zu schaffen, müssen etablierte Bezugsrahmen zerstört werden. Innovationsmanagement kann und muss unbequem sein, der Status Quo auch dann in Frage gestellt werden, wenn Routine bestens funktioniert.
Innovationsmanagement ist also ein Management von Spannungsverhältnissen: Es gilt, Freiräume zum Querdenken zu schaffen, aber auch bestimmte Grenzen zu setzen, es geht um Kreativität und um Pragmatik – denn letztlich zielen Innovationen im Gegensatz zu reinen Erfindungen (Inventionen) immer auch auf eine erfolgreiche Realisierung ab.

Aber wer bewertet, ob eine Innovation erfolgreich ist? Einen einheitlichen Bewertungsmaßstab kann es nicht geben, da es darauf ankommt, welche Zielgruppe eine Innovation überhaupt als solche wahrnimmt und bewerten kann. Mal sind es einzelne Experten oder Berufsgruppen, ein anderes Mal ganze Branchen oder sogar Gesellschaften.

Die erfolgreiche Marktrealisierung von Ideen hat eine erhebliche ökonomische Relevanz. Innovationen haben aber auch einen sozialen Wert, ganz besonders dann, wenn sie zu beitragen, dass viele Menschen ihr Leben und Arbeiten positiver gestalten können und somit ein insgesamt höheres gesellschaftliches Entwicklungsniveau erreicht wird.

Prof. Dr. Rainer Zeichhardt ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Business School Berlin. Rainer Zeichhardt verfügt über langjährige Erfahrung in der akademischen Lehre und interdisziplinären Forschung. Managerkompetenzen, moderne Führungsstrategien und Instrumente des Change- und Innovationsmanagements sind die Kernbereiche seiner Untersuchungen. Als Experte für Leadership und Management berät Rainer Zeichhardt Personen sowie Organisationen bei der Konzeption und Durchführung von Führungskräfte-Entwicklungsprogrammen und Changeprojekten. Auf Basis interdisziplinärer Erkenntnisse und best practice Fälle hat er den Ansatz frameworkZ ® entwickelt. In der Praxis wird frameworkZ ® erfolgreich eingesetzt, um bei Beratung, Training und Coaching ökonomisch und sozial effiziente Lösungen durch systematischen Perspektivwechsel zu generieren. http://frame-workz.com http://www.businessschool-berlin.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.