ihub Studie: Berlin bringt Dax-Konzerne auf Ideen

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Der Tagesspiegel vom 26.06.2016

Berlin bringt Dax-Konzerne auf Ideen

Produkte, Strategien, Services: Viele Unternehmen lagern ihre Innovationszentren in die Hauptstadt aus

Berlin – Ausgerechnet die Digitalisierung wertet den Industriestandort Berlin auf. Zwar werden keine Produktionsanlagen in der Bundeshauptstadt aufgebaut, doch immer mehr Dax-Konzerne verlagern innovative Geschäftsbereiche in externe Innovation-Center aus. Laut einer aktuellen Studie haben sich knapp die Hälfte der Dax-Unternehmen, die ein Innovation-Center betreiben, für Berlin als Standort entschieden. Die Hauptstadt ist damit unangefochten erste Wahl beim Thema Innovation.

Warum sich immer mehr der 30 größten im Deutschen Aktienindex notierten Konzerne für eine Präsenz in der Start- up-Hauptstadt Europas entscheiden, erklärt die Szene mit dem sogenannten „Innovators Dilemma“. Die These des Harvard-Professors Clayton Christensen besagt, dass die Beachtung klassischer Erfolgsfaktoren wie Kunden-, Ertrags- und Wachstumsorientierung bei disruptiven Innovationen geradezu gefährlich und existenzbedrohend wirkt. Die Digitalisirung stellt die Dax-Konzerne vor ganz neue Herausforderungen – und diese führen die Unternehmen nach Berlin. Hier tauschen sich die Innovatoren der „Old Economy“ mit denen der „New Economy“ aus und entwickeln fernab der Konzernzentralen neue Produktideen, Unternehmensstrategien oder Kundenservices. In ihren externen Innovation-Centern können die Unternehmen losgelöst und befreit vom traditionellen Tagesgeschäft neue Geschäftsmodelle entwickeln und ausprobieren.

Eine Umfrage des Branchenblogs „ihub.berlin“, durchgeführt in Kooperation mit dem Tagesspiegel, macht die Entwicklung sichtbar: Befragt nach ihren externen Entwicklungsabteilungen geben 19 der Dax-Unternehmen an, bereits ein Innovation-Center zu betreiben. Neun davon haben sich für Berlin als Standort entschieden. Insbesondere die Old Economy hat die Notwendigkeit externer Entwicklungslabore erkannt: Laut Umfrage betreiben alle im Dax vertretenen Automobilbauer (BMW, Daimler, VW), Energiekonzerne (Eon, RWE) und die Mehrheit der Finanzdienstleister (Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank mit Ausnahme der Deutschen Börse und der Münchener Rück) externe Innovationszentren.

Ausgerechnet bei den Technologiekonzernen gibt es hingegen unterschiedliche Strategien. Während SAP in der Hauptstadt-Region gleich drei Innovation-Center betreibt, setzt Siemens nach wie vor auf seine interne Erneuerungskraft.

Laut der Umfrage verfolgen die Dax- Größen in Berlin verschiedene Strategien. Die Deutsche Bank – angegriffen durch alternative Bezahlsysteme wie Apple Pay oder Paypal – stellt sich mit ihrem Berliner Innovation Lab bewusst dem Wettbewerb und treibt seit einem Jahr die Digitalisierung des kundenbezogenen Geschäfts voran. Die Deutsche Telekom hingegen setzt mit „hub:raum“ auf ein Accelerator-Modell, das junge Start-ups fördert, in der Hoffnung, von deren Innovationen zu profitieren. RWE wiederum kooperiert mit Tech-Stars, um Start-ups aufzubauen.

Attraktiv ist der Standort Berlin aber nicht nur für die deutsche Großindustrie und junge Start-ups, sondern auch für Unternehmen dazwischen. Bekannte deutsche Mittelständler wie Otto Bock, Rewe, Metro, Würth und Zalando haben sich bereits vor ein paar Jahren mit ihren Innovationszentren in den Berliner Trendbezirken angesiedelt. Die Suche nach dem „next big thing“ führt aber auch für US-Konzerne wie Cisco, General Electric, IBM und Microsoft nicht mehr nur ins Silicon Valley, sondern eben auch mal an die Spree.

Für Peter Siebert, Gründer der Plattform „www.ihub.berlin“ steht deshalb fest: „Innovationslabs werden die Orte sein, an denen Innovation stattfindet.“ Hier würden Ideen entwickelt, gestaltet und getestet. Zumindest der jüngste Trend scheint tatsächlich in diese Richtung zu gehen.

Florian Busch-Janser

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